Japan nochmals anders



Die Wirtschaftsförderung des Elsass hat über Jahre äusserst erfolgreiche wirtshchaftliche und auch kulturelle Beziehungen mit Japan aufgebaut. So betreiben im Ober- und Unterelsass 11 japanische Konzerne Produktionsbetriebe, darunter Sony mit über 1500 Angestellten, Ricoh, Sharp, Yamaha, Toshiba und 5 Pharmafirmen. Für die Kinder der japanischen Kader wurde das


Sejo-Institut in Kientzheim gegründet, wo die 15-18 jährigen die Schule in japanisch und franzäsisch besuchen könen. Im japanischen Fernsehen wurde auf Initiative des Elsass eine 15-teilige japanische Familiengeschichte in 13 Folgen von je 1 Stunde gesendet, die im Elsass spielte und 30 Millionen Zuschauer hatte ! Werbung auf höchster Stufe !

In diesem Kontext konnte ich an einer elsässischen Delegation nach Tokyo teilnehmen, und bereitete eine Präsentation des EuroAirpot für das Meeting im Gebäude des Keidanren (Wirtschafts-Vorort ) vor. Im grossen Hörsaal anwesend waren rund 100 Topleute japanischer Exportfirmen unter der Führung von Nr. 2 des Sony-Konzerns. Nach den offiziellen Höflichkeiten erklärte Mr. `Sony` in japanisch seinen Kollegen, warum er das Elsass als Betriebs-Standort gewählt habe.


Dabei erwähnte er auch den Flughafen, in einer Präzision und derart ausführlich, dass meine Präsentation völlig obsolet war und ich Ihm nur zu seinen hervorragenden Kenntnissen über den EuroAirport gratulieren konnte !

Mehr kann im Marketing kaum erreicht werden, als wenn ein Unternehmer seinen Kollegen und Konkurenten in ihrer Sprache erklärt, warum er am anderen Ende der Welt einen bedeutenden Zweigbetrieb eröffnet hat.



Nach der Arbeit das «Vergnügen»


Zur selben Zeit war in Tokyo eine Ausstellung der SWISSEXPO. Mit mir bekannten 8 Teilnehmern aus unserer Region hatte ich ein gemeinsames Nachtessen vereinbart. Beim Treffen in der Hotellobby war ich noch in meinem japangerechten formellen Dress, aber meine Freunde hatten schon ins Tenue Freizeit gewechselt. Sie empfahlen ein tolles Sterne-Restaurant zuoberst im SunCity Tower und wir gingen hin.


Die Amunft unserer Gruppe war alles andere als japan-like! Unsere Tenues wirkten offenbar wie wenn ein Chef mit seinen Chauffeuren sich im Lokal geirrt hätten und als

meine Gruppe sofort am Empfang vorbei an einen noch freien Tisch stürzte, verfiel das Personal in Schockstarre. Entsprechend wurden wir bedient bzw. ignoriert !

Die Vorspeise und der Hauptgang wurden zusammen auf den Tisch geknallt und nach Getränken fragte niemand .


Ich rief den Chef und erklärte ihm ruhig aber mit auch für Japaner erkennbarem Zorn, dass wir sein Restaurant aufgrund guter Empfehlungen gewählt hätten und nun das Gegenteil erleben. Auch wenn wir im Verhalten und Dress nicht comme-il-faut waren, sei unsere Behandlung durch sein Personal nicht akzeptierbar und wir würden das Lokal sofort verlassen.


Er ging neben mir auf die Knie und entschuldigte sich in aller Form und ging dann jedesmal wenn er an unseren Tisch kam, neben mir auf die Kn ie. Hochpeinlich . Aber damit er sein Gesicht nicht verlor, musste ich und die ganze Gruppe biten, das ernst zu nehmen und ja nicht zu lachen!


Wie sag ich`s der Geisha ?


Einer der Höhepunkte eines Besuches in Tokyo mit einer Reisegruppe von Aviatikern war die Einladung zu einer originalen japanischen Tee-Zeremonie in einem traditionellen Teehaus. Diese für uns Novizen umständliche aber faszinierende Prozedur dauerte 3 Stunden und wir mussten im Schneidersitz oder auf den Knien an tiefen Tischchen verschiedene Tee-Zubereitungen geniessen, wie es die Tradition und die Regel gebot. Den Tee servierten 5 attraktive Japanerinnen in Geisha-Dress in zahlreichen Etappen, da immer wieder Tee gebrüht und gerührt wurde. Um den liebenswürdigen Damen (sie verbargen ihr Mitleid mit unserer ungewohnten Sitzweise sehr diskret, wie in Japan üblich) ein Kompliment zu machen, fragte ich unseren Reiseleiter, was „schön“ auf japanisch heisse. Er sagte: „Kirei“. Beim Aufstehen konnten wir uns kaum auf den Beinen halten – einige fielen sogar einfach hin!

Beim Verlassen des Teehauses wollte ich mit «Kirei» den Damen danken und ein Kimpliment machen. Das kam aber sehr schlecht an und sie wurden wütend und drehten sich weg.

Der Grund war , wie ich nachträglich erfuhr, eine falsche Aussprache: «Kirei « bedeutet «hässlich»

«schön» lautet: «Kirai» !!

(Im Japanischen haben oft gleichartige Wörter je nach Aussprache andere Bedeutungen)


Wie sag ich`s dem Sumo ?


2 Freunde, die in Tokyo für Nestle und die Lufthansa die Geschäfte führten, luden mich nach einem geschäftlichen Meeting zum Essen in einem typischen japanischen Restaurant ein, wo junge Japanerinnen servieren lernten und zwischen den Gerichten lokale Tänze darboten.

Auch hier tiefe Tischchen, Schneidersitz und keine Touristen.

Plötzlich wird es dunkel an unserem Tisch: Ein Sumo-Ringer mit Gefolge

lässt sich am Nebentisch nieder! Ein imposanter Koloss von Mensch – Handgelenke wie unsere Oberschenkel und weit über 100 kg!

Meine Freunde flippen aus: «Das ist fast sicher Kabasaki, die Nummer 5 im Sumo-Ranking Japans!»


«Fragt ihn doch» sage ich. Aufk keinen Fall, das wäre eine Beleidigung !

Um Gewissheit zu erhalten, schlage ich vor, dass wir uns in baseldytsch unterhalten und immer wieder «Kabasaki» erwähnen. Es wikt: Nach wenigen Minuten dreht sich der Buddha zu uns –

-er hatte uns bisher als «Weisse» völlig ignoriert) – und nickte leicht. «Kabaski-san?» nochmals ein gnädiges Nicken und schon hat jeder von uns eine Flasche Biel auf dem Tischchen. Wir revanchieren uns sofort auch mit einer Flasche Bier. Der Sumo leert die in einem Zug – und schon haben wir eine nächste Flasche auf dem Tisch. «Kampai» (Prost auf japanisch) zum zweiten. Das geht nochmals in eine Runde, und wir werden langsam blau. Er könnte wohl noch lange weitermachen, aber wir nicht.


Um uns ohne das Gesicht zu verlieren und ohne ihn zu beleidigen aus diesem «circulus alcoholicus» zu verabschieden, erkläre ich seinem Bodyguard in englisch, dass unsere «zarten» Körper nicht soviel Bier aufnehmen könnten und wir noch nichts gegessen hätten, dass es für uns aber eine grosse Ehre und bleibende Erinnerung sei, den berühmten Kabasaki persönlch kennen zu lernen.


Mit einem lächelnden Nicken sind wir entlassen!

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